Vereinbarkeit ist auch Einstellungssache


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Alu von Große Köpfe hat sich ein paar Gedanken gemacht. Und zwar zum Thema Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Laut einer Studie von scoyo* haben 56% aller Eltern, egal ob mit Voll- oder Teilzeitjob, immer das Gefühl, dass etwas zu kurz kommt, die Kinder, der Job, die Partnerschaft oder sie selbst. Das ist die schlechte Nachricht. Allerdings heisst das auch, dass 44% mit ihrer Situation zufrieden sind.

Um zu ergründen, woher das kommt und was diese 44% anders machen, als der Rest, hat Große Köpfe zur Blogparade aufgerufen.

Ich kann den Tenor der aktuellen Diskussion zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie nachvollziehen. Viel zu lange ist vernachlässigt worden, dass sich das Familienbild gewandelt hat, dass nicht mehr nur der Vater der Alleinverdiener und Ernährer der Familie sein möchte. Die Mütter fordern ihr Recht auf Arbeit ein, genauso wie eine halbwegs sichere Rente und ein Leben, das finanziell nicht völlig abhängig vom Partner ist. Gleichzeitig soll der Nachwuchs aber nicht unter der Berufstätigkeit leiden. Es soll immer noch genug Zeit für die alltäglichen und schönen Dinge bleiben. All das befürworte ich aus vollstem Herzen.

Und ja, auch ich sehe hier die Politik in der Verantwortung. Allerdings möchte ich das Thema von einer anderen Seite aus betrachten. Natürlich kann man mehr Engagement und auch Lösungswege von der Politik erwarten, aber für mich gibt es einen weiteren, essentiellen Punkt: die eigenen Einstellung.

Sehen wir den Tatsachen doch mal ins Auge: der Tag hat nur 24h. In diese kurze Zeit gilt es alles hinein zu quetschen, was man so vor hat: Kindergarten, Schulaufführung, Einkauf, Bürozeiten und wenn alles gut läuft auch die Yogastunde am Abend. Egal, welche Zeitaufteilung wir wählen, ob wir gar nicht arbeiten, in Teil- oder in Vollzeit, es kommt immer etwas zu kurz! Das ist nicht zu vermeiden. Und hier kommt unsere Einstellung zum Tragen. Anstatt das verändern zu wollen, was nicht zu verändern ist, müssen wir uns überlegen, wie wir mit der Situation umgehen. Soll heißen: warum muss ich ein schlechtes Gewissen haben, dass ich zu wenig Zeit mit meinem Kind verbracht habe, wenn ich nun mal arbeiten MUSS. Und warum muss ich mir Gedanken machen, was mein Arbeitgeber davon hält, wenn ich zuhause bei meinem kranken Kind bleiben WILL.

Alu von Große Köpfe schreibt etwas, was ich für ganz wichtig halte:

Es ist sicherlich möglich, Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, dabei ist aber das Tempo entscheidend. Es kann nicht parallel alles im gleichen Tempo stattfinden. Mal geht eines besser, mal das andere.

Ich glaube, genau hier liegt das Geheimnis. Wir müssen uns an die eigenen Nase fassen und uns bewusst werden, dass wir nicht alles haben können. Halt, Moment, ich muss mich korrigieren: wir können nicht alles GLEICHZEITIG haben!

Wir müssen selbst ein Bewusstsein und ein Gespür für unsere Bedürfnisse und die unserer Kinder entwickeln. An manchen Tagen ist man selbst produktiv und sprüht nur so vor Energie, an anderen ist das Kind krank, vielleicht braucht man auch einfach einen Tag für sich selbst. Zu erkennen, wann welches Szenario zutrifft und was gerade das Wichtigste ist, ist der erste Schritt.

Und an dieser Stelle kommt dann doch die Politik wieder ins Spiel. Sie muss dafür sorgen, dass wir in einem Umfeld leben und arbeiten können, das es uns auch erlaubt, so flexibel auf unsere Bedürfnisse einzugehen. Und dass das möglich ist, dafür gibt es ja genug Beispiele. Ich bin in der glücklichen Lage, genau das erleben zu dürfen.

In meiner Firma war es immer klar, dass ich nach der Elternzeit wieder einsteige. Ich werde genauso eingebunden wie zuvor, kann mich fachlich weiterentwickeln und trotzdem schaut keiner schief, wenn ich früher los muss oder mal gar nicht komme, weil der kleine Mann krank zuhause liegt. Während des KiTa-Streiks war es selbstverständlich, dass die betroffenen Kollegen ihre Kinder mitbringen konnten.

Wäre solch eine tolerante Arbeitsumgebung die Regel, würde das vieles erleichtern und wir müssten nur noch akzeptieren, dass Kinder eben ein bisschen Organisation bedeuten. Das wäre dann ja auch gar nicht mehr schlimm.

 

*Die Studie von scoyo könnt ihr hier nachlesen.

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